Eigene Texte

 

 

 

 

Eigene Texte

Das Ende der Kirchenjahres ist geprägt von der Auseinandersetzung mit dem Tod.

Dazu hier ein kleiner Text, der aus einer Meditation von Johannes 11 entstanden ist.

 

 

 

Der letzte Feind ist der Tod

                  - und mit diesem Feind legt Jesus sich schon vor seinem eigenen Tod an.

 

In der kurzen Begegnung mit Maria von Betanien wird die ganze Wucht des Todes spürbar.

Wie zu Boden gestreckt fällt Maria zu Jesu Füßen

und mit ihr ihre Klage über die erfahrene Ohnmacht angesichts des Todes.

 

Aber Jesus hat nicht einfach Mitleid mit ihrer Trauer,

weder Trost noch Anteilnahme kommen über seine Lippen;

ja, er spricht sie gar nicht an.

 

In seinem Inneren lässt er sich treffen, erschüttern, aufwühlen, erzürnen.

In seiner Seele reagiert er auf die verzweifelte Ohnmacht angesichts des Todes

und spürt:

das ist der Stachel des Todes!

Dass er die Menschen hier schon entmutigt,

ihnen hier schon zu spüren gibt:

hier machst du nichts,

gegen mich kommst du nicht an - auch mit deinem ganzen Beten nicht.

Mit dem Tod hat sich schon mancher angelegt, gewonnen hat noch keiner.

 

Genau dagegen aber bäumt sich in Jesu Seele etwas auf,

da bäumt sich ein heiliger, ein göttlicher Zorn auf.

Warte, du, du Tod!

Dein Triumph ist angezählt.

Ich lege mich mit dir an - und du wirst verlieren!

 

Mit Tränen heißen Zorn schaut er dem Tod ins kalte Angesicht,

bis ins Innerste erschüttert empfindet er die Feindschaft - und in sich die Gegenwehr -

Feindschaft des Todes gegen Gott und Menschen,

die Feindschaft, die ihn später am Kreuz das Antlitz Gottes für den Moment verlieren lassen wird.

 

Seine Seele begegnet dem Tod - frontal

hier schon, nicht erst in Gethsemane.

 

Da ist ein Sturm in seinem Inneren,

da tobt ein verborgener Kampf

wüst, gewaltsam.

An der Oberfläche ist nur die Erschütterung zu sehen.

Missdeutet von den Umstehenden.

 

Laut spricht er Lazarus an,

- nicht den Tod; eine Nicht-Macht wird von ihm nicht adressiert.

 

Diese erste Runde geht klar an Jesus;

eine weitere wird folgen.

 

Die Umstehenden sehen noch nicht, was es ihn kostet.

Wie auch.

 

Und ich?

 

 

(2017)